Statement zur Lage auf dem Ausbildungsmarkt 2017/18


Ausbildungssituation

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Mit 2.330 neu eingetragenen Ausbildungsverträgen bis zum 30.09.2018 musste die Handwerkskammer Freiburg gegenüber dem Vorjahresmonat einen Rückgang von -133 Lehrverträgen bzw. -5,4 % verzeichnen.
Das Handwerk tut sich trotz vieler Anstrengungen nach wie vor schwer damit, sich auf dem Ausbildungsmarkt gegenüber der Konkurrenz zu behaupten. Der negative Trend lässt sich zum Teil mit der vermeintlich geringeren Attraktivität einer handwerklichen Ausbildung erklären. Daran arbeiten wir, in dem wir verstärkt junge und selbstbewusste Handwerkerinnen und Handwerker in die Öffentlichkeitsarbeit einbinden. Ausstellungen wie „Junge Wilde“ oder „Meisterstücke“ erfahren große Resonanz und verdeutlichen den hohen Stellenwert einer handwerklichen Ausbildung.
 
Wir werden 2019 von Seiten der Kammer den Service rund um das Thema Ausbildung noch einmal ausbauen: Das geht von der Berufsorientierung, deren Instrumente wir in enger Abstimmung mit den Kreishandwerkerschaften und Innungen schärfen, über die passgenaue Vermittlung von jungen Menschen in Ausbildung, für die wir 2019 eigens eine vom Bund geförderte Stelle einrichten, bis zur pädagogischen Begleitung von Auszubildenden und damit der Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen.
 
Wir brauchen Zuwanderung
Wir machen heute auch deutlich: Das Handwerk ist – unabhängig von diesen Maßnahmen – auf Zuwanderung angewiesen. Alleine aus dem Pool der hier aufgewachsenen jungen Menschen werden wir unseren Bedarf nicht decken können – mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Gesellschaft. Das geht an die Infrastruktur unserer Region.
 
Das südbadische Handwerk, Betriebe und Kammer im intensiven Austausch, hat in den vergangenen Jahren eine überproportionale Integrationsleistung erbracht. Das tun wir zum einen aus dem Antrieb heraus, unseren Beitrag an dieser gesellschaftlichen Aufgabe leisten zu wollen, zum anderen aber auch aus strategischen Erwägungen. Die von Seiten der Politik geforderte Integration der Geflüchteten war gewissermaßen ein Übungsfeld für die zukünftig erwartete qualifizierte Zuwanderung.
 
Für die nächsten zwei Jahre erwarten wir aus dem Pool der seit 2015 in Deutschland befindlichen Geflüchteten vermehrt besser vorbereitete Interessenten an einer Ausbildung. Eine wachsende Zahl darunter hat inzwischen erfolgreich Integrations- und Deutschkurse absolviert. Diese 5-Jahres-Perspektive (durchschnittlich zwei Jahre Vorbereitung vor Beginn einer Ausbildung) hatten wir bereits Anfang 2016 deutlich gemacht und bei Politik und Öffentlichkeit Geduld angemahnt.
 
Von dieser Gruppe erhoffen wir uns eine allmähliche Entlastung des dualen Systems, das aufgrund der fachlichen und sprachlichen Überforderung vieler Auszubildender in den vergangenen beiden Jahren sehr strapaziert wurde. Diese Erwartung wird auch dadurch gestützt, dass Ausbildungsverhältnisse ohne oder mit ausländischen Schulabschlüssen bereits 2018 einen leichten Rückgang von 1,3 Prozent erfuhren.
 
Zudem erwarten wir über das geplante neue Einwanderungsgesetz positive Effekte in Bezug auf qualifizierte Fachkräfte für das Handwerk. Nach wie vor engagiert sich die Handwerkskammer Freiburg mit der grenzüberschreitenden Ausbildung und dem Bundes-Programm MobiPro-EU auch in der innereuropäischen Migration.
 
Johannes Ullrich, Präsident der Handwerkskammer Freiburg
12. November 2018