Ausstellungsreihe Vorbilder - Einblicke ins Handwerk

Erfolgreiche Handwerker und Handwerksbetriebe sind die besten Vorbilder für Existenzgründerinnen und Existenzgründer. Ob starke Unternehmerinnen, Nachfolge innerhalb der Familie oder besondere Junghandwerker – die Ausstellungsreihe Vorbilder bietet dank ungewöhnlicher Blickwinkel spannende Einblicke in das Handwerk und das Wirken seiner Akteure.

Vorbilder III - Junge Wilde, altes Handwerk

Worum geht es?

Handwerk ist für viele junge Menschen nicht nur ein Beruf, sondern viel mehr Berufung – Handwerk ist ihr Leben. Dieses Gefühl in Bildern einzufangen, ist dem Fotografen Markus Dietze auf beeindruckende Weise gelungen. Wir zeigen Handwerkerinnen und Handwerker, die Vorbilder für all diejenigen sind, die noch nach ihrer Berufung suchen.
 
"Wir wollen zeigen, dass Handwerk mehr ist als nur ein Beruf. Handwerk ist Lebensstil und Lebensgefühl in einem“, erläutert Frank Saier, Betriebsberater der Handwerkskammer Freiburg die Motivation hinter dem Projekt. "Gerade im Zeitalter der Digitalisierung bietet das gute alte Handwerk spannende Perspektiven.“
 
Wie in vielen Branchen sucht auch das Handwerk händeringend nach Unternehmertypen. Wir widmen uns seit vielen Jahren auf vielfältige Weise der Förderung der Gründerkultur in der Region. Im Zentrum der Ausstellung steht daher auch die Frage nach der Selbstständigkeit. Wer findet hierin seine Erfüllung, wer nicht?  
 
Nach „Vorbilder I – Gründerinnen im Handwerk“, „Vorbilder II – Familienunternehmen im Handwerk“ folgt mit „Vorbilder III – Junge Wilde, altes Handwerk“ der letzte Teil der Vorbilder-Trilogie.

Interviews die beeindrucken

Wir haben mit den "Jungen Wilden" auch Interviews geführt, um nicht nur die tollen Bilder, sondern auch die Menschen dahinter einer breiten Öffentlichkeit vorstellen zu können. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Wir werden die Interviews in den nächsten Tagen und Wochen an dieser Stelle veröffentlichen.

Lassen Sie sich überraschen!

Jürgen Hättich +++ Jahrgang 1977 +++ Maurermeister und geprüfter Restaurator im Maurerhandwerk

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Herr Hättich, möchten Sie uns vielleicht einfach etwas über sich und Ihren Beruf erzählen?

Sehr gern. Als ich mich entschied den Beruf des Maurers zu ergreifen, war mir schon klar, dass ich in irgendeiner Form weiter machen bzw. aufsteigen will. Der Beruf hatte für mich als jungen Kerl dahingehend seinen Reiz, als man hier eine gewisse Robustheit und Gewandtheit mitbringen musste. Eigenschaften, die man ja gerade als Teenager unter Beweis stellen will. Die alte Zunftkleidung übte dabei auch gehörig Eindruck aus.

Wie schon erwähnt war mir bewusst, dass es mit der Lehre nicht zu Ende sein sollte und das ist gerade im Baubereich ein entscheidender Vorteil, da man sehr viele Möglichkeiten hat, seinen weiteren Berufsweg zu bestreiten.

Ich persönlich habe mit Anfang 20 schon den Meister gemacht und einige Jahre im Beruf gearbeitet, bis ich dann endgültig meiner Leidenschaft gefolgt bin und den Restaurator im Maurerhandwerk gemacht habe. Seit Beginn meiner Selbststän-digkeit vor neun Jahren darf ich nun das alte Handwerk ausüben und mitwirken, alte Bauwerke und somit unser kulturelles Erbe für zukünftige Generationen zu erhalten. Das war auch der Grund warum ich mich für die Ausstellung „Junge Wilde, altes Handwerk“ beworben habe. Zwar bin ich nicht mehr der Allerjüngste, aber dennoch recht wild!! Das muss man auch sein, gerade wenn man als Einzelkämpfer und Selbstständiger bestehen will. Mir liegt es am Herzen, jüngeren Menschen hierbei die Lust am Handwerk und am „Alten“ nahe zu bringen, da dies meiner Einschätzung nach heute zu wenig geschieht.

In der Wegwerfgesellschaft sind mehr denn je wieder Werte gefragt, wie die „Kultur der Reparatur“, wo es darum geht, auch mit wenig Aufwand und Pflege Dingen eine längere Haltbarkeit zu geben. Denn klar dürfte auch sein, dass wir als Menschheit so auf Dauer nicht weiter machen können. Aus verschiedenen Überlegungen heraus, zum Beispiel aus Gründen der Nachhaltigkeit, müssen wir zu ressourcenschonenderem Bauen kommen. Die Klimaproblematik sowie weitere daraus resultierende Gegebenheiten zwingen zum Umdenken. Dabei kann man sagen: Denkmalschutz ist Klimaschutz. Die Energiebilanz eines alten Gebäudes ist unschlagbar im Vergleich zu heutigen energieaufwendig hergestellten Materialien.

Die Politik muss endlich begreifen, dass es ein breites Programm braucht, die historische Bausubstanz verträglich instand zu setzen, anstatt immer neue Baugebiete auszuweisen. In meiner Selbstständigkeit habe ich öfter die Erfahrung gemacht, dass dieses Potential nicht erkannt wird. Dennoch hat es sich gelohnt, mit Beharrlichkeit und Willensstärke einen längeren Zeitraum durchzustehen. Inzwischen habe ich mich auf dem Markt positioniert und mich als Spezialbetrieb etabliert, wenn es um denkmalgerechte Lösungen geht. Die Möglichkeit jemanden einzustellen will ich mir dabei auch zukünftig offenhalten. Die Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich und es sind fast ausschließlich individuelle Ansätze gefragt, also keine Arbeit von der Stange. Von mittelalterlichen Mauern über barocke Gewölbe bis hin zu alten Lehmwänden ist alles dabei. Einfach ein Beruf, der Freude macht und einen in gewissen Momenten demütig und nachdenklich werden lässt in Anbetracht der Leistung unserer Vorfahren, die nicht unsere heutigen Möglichkeiten hatten.

Man muss „die Hand sehen“ bei einer Arbeit! Nach diesem Motto arbeite ich. Glatte sterile Flächen sind mir ein Graus, schließlich bin und bleibe ich HANDwerker, jung und wild eben!

Tamara Schätzle +++ Jahrgang 1994 +++ Kachelofenbauerin

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Was macht Sie zur „jungen Wilden?

Ich finde es sehr schwierig, diese Frage zu beantworten … vielleicht weil ich eine Frau in einem Männerberuf bin, einem Beruf der körperlich oft sehr anstrengend ist. Oder weil ich viele Dinge die schon seit vielen Jahren eine gewisse Routine haben, einfach anders lösen oder neue Wege finden will.

Würden Sie sagen, Sie üben Ihren Traumberuf aus?

Auf alle Fälle! Schon zu Schulzeiten wusste ich, dass ich die Firma meines Papas weiterführen will, auch wenn ich damals komplett andere Vorstellungen vom Ofenbau hatte. Ich habe als Kind immer gesehen wie mein Papa aus Ton wunderschöne kleine Ofenmodelle geformt hat. Wir durften ebenfalls aus einem kleinen Stück Ton Figuren basteln. Damals war mir noch nicht klar, dass das mit dem eigentlichen Beruf des Ofenbauers nur ganz wenig zu tun hat.

Sie arbeiten im elterlichen Betrieb und möchten diesen auch übernehmen. Erzählen Sie uns ein bisschen aus Ihrem Alltag.

Mein Alltag ist oft sehr lang. Von einer 5-Tage-Woche oder einer 40- Stunden-Woche bin ich meistens sehr weit entfernt. Allerdings ist jeder Tag ein wenig anders und bringt neue Herausforderungen mit sich. Früh am Morgen bin ich bei der Einteilung und Besprechung mit unseren Mitarbeitern dabei, um Fragen und Abläufe zu besprechen und zu koordinieren. Manchmal ist das aber auch etwas schwierig, da unser „ältester“ Geselle schon im Betrieb war als ich noch nicht einmal geboren war. Außerdem bin ich mit Abstand das jüngste Teammitglied. Aber da wir ein sehr familiäres Betriebsklima haben, passt es am Ende doch immer. Besonders reizvoll am Ofenbau ist sicherlich, dass ich vom ersten Gespräch bis zum fertigen Objekt voll dabei bin. Wir liefern nicht irgendwelche Komponenten sondern verwirklichen komplette Projekte. Vom ersten Bleistiftstrich bis zum gemeinsamen Anheizen bin ich dabei. Dafür lohnt sich die viele Arbeit immer.

Was ist das Besondere an Ihrem Beruf?

Es ist ein sehr vielfältiger Beruf. Ein Ofenbauer muss ganz viele Gewerke beherrschen. Wir mauern, verputzen, müssen über Elektronik, Heizungstechnik und Metallbau Bescheid wissen. Lüftungstechnik- und Schornsteinbau gehören zu den Grundlagen. Ich plane unsere Entwürfe mit modernster CAD-Technik am Computer und visualisiere Sie für unsere Kunden. Auf alle Fälle wird es nie eintönig oder langweilig.

Bäcker


Junge_Wilde_Motive
Daniel Roth, Bäcker
 
Was liebst du an deinem Beruf?       
Kunden morgens ein Lächeln auf den Mund zaubern ;-)
 
Bis du selbstständig oder hast du vor dich irgendwann selbstständig zu machen?
Im Moment noch nicht
 

Malerin


Junge_Wilde_Motive
Lisa Langenbacher, Maler und Lackiererin

Was liebst du an deinem Beruf?        
Die Abwechslung und die verschiedenen Farben

Bist du selbstständig oder hast du vor dich irgendwann selbstständig zu machen?
Ich habe vor mich irgendwann selbstständig zu machen

Fleischerin


Junge_Wilde_Motive
Jasmin Basile, Fleischereifachverkäuferin  / Auszubildende zur Fleischerin

Was liebst du an deinem Beruf?       
Er ist abwechslungsreich und man lernt nie aus.
 

Friseur


Junge_Wilde_Motive
Marco Trenkle, Friseurmeister
 
Was liebst du an deinem Beruf?
Meine Selbstständigkeit! Ich bin stolz, ein Haarschneider zu sein und stolz auf dieses alte Handwerk! Das trage ich im Herzen und zu den Menschen da draußen!
 

Schreiner


Junge_Wilde_Motive
Christoph Ortlieb, Schreinermeister
 
Wieso ist er genau der Richtige für dieses Projekt?
Ziemlich lässig kommt er daher, der junge Schreinermeister Christoph Ortlieb, der in seiner Bau- und Möbelschreinerei im Münstertal alles in solider Handarbeit fertigt oder Reparaturbedürftiges instandsetzt.
Er ist genau der Richtige, denn er ist jung, frisch selbstständig und er übt das traditionelle Schreinerhandwerk mit Überzeugung und Können aus, so wie es bereits der Großvater tat.
 

Zimmererin


Junge_Wilde_Motive
Ajda Hashemi, Zimmererin

Wieso ist sie genau die Richtige für dieses Projekt?
Sympathische junge Frau in einem klassischen Männerberuf

Ist sie selbstständig oder hat sie vor sich irgendwann selbstständig zu machen?
bisher nicht
 

SHK


Junge_Wilde_Motive
Yvonne Glampe, Anlagenmechanikerin Sanitär

Wieso ist sie genau die Richtige für dieses Projekt?
Sie ist nicht nur zweifache Handwerksmeisterin, sondern auch noch Kickbox-Meisterin. Sie brennt für ihren Beruf, auch als Ausbilderin in ihrem Betrieb.
 

Zahntechniker


Junge_Wilde_Motive
Matthias Staffel, Zahntechniker

Wieso ist er genau der Richtige für dieses Projekt?
Er ist MTB-Downhiller und cooler Zahntechniker

Ist er selbständig oder hat er vor sich irgendwann selbständig zu machen?
Er übernimmt den Betrieb seines Schwiegervaters in Spe
 

Der Fotograf - madphotos

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