Traktor trifft Tablet: Eine Zusatzqualifikation der Handwerkskammer Freiburg macht Auszubildende der Land- und Baumaschinenmechatronik fit für die digitale Zukunft

Marius Blum sitzt im John Deere 155 6R – einem GPS-fähigen Traktor. Vor ihm eine futuristisch anmutende Bedieneinheit samt Joystick und Display. Er kalibriert den Empfänger des grün-gelben Schleppers, speichert die exakten Koordinaten und richtet das Spurführungssystem ein. Nun fährt die Maschine auf den Zentimeter genau – fast autonom. „Das Spannende ist, wie viel Technik heute in den Maschinen steckt“, sagt der angehende Land- und Baumaschinenmechatroniker. „Und wie viel man schon während der Ausbildung damit arbeiten kann.“ Die Ergebnisse seines Auftrags – das Einmessen eines Feldes – hat Blum in eine Online-Datenbank hochgeladen. Für ihn war das eine der lehrreichsten Erfahrungen seiner bisherigen Ausbildung.


Möglich wurde das durch die Zusatzqualifikation „Erprobung von Digitaltechnologien in der LandBauTechnik“, die von der Handwerkskammer Freiburg in Kooperation mit der Gewerbeschule Breisach und regionalen Ausbildungsbetrieben organisiert wird. Bereits im vergangenen Jahr ging der Kurs in die zweite Runde. 13 motivierte Auszubildende beschäftigten sich mit digitalen Lenksystemen, dem Einmessen von Feldern via RTK-GPS und der Anwendung der ISOBUS-Technologie. Unterstützt von ihren Betrieben erhielten sie Zeit, Maschinen und digitale Werkzeuge, um reale Arbeitsaufträge eigenständig zu bearbeiten.


Smart Farming statt Schraubenschlüssel
„Der Beruf des Land- und Baumaschinenmechatronikers befindet sich im Wandel – weg vom rein mechanischen Handwerk, hin zu einem technikbasierten, digitalen Berufsfeld“, erklärt Gerhard Heinrich, Lehrer an der Gewerbeschule Breisach und Kursleiter. Die Besonderheit des Angebots: Es verbindet Präsenzunterricht mit digitalen Lernphasen („Blended Learning“) und verlagert Lerneinheiten flexibel in Schule oder Betrieb. Unterstützt wird das selbstständige Lernen durch die Plattform Moodle und eine begleitende Chatgruppe.


„Ziel ist es, digitale Kompetenzen frühzeitig zu fördern und gleichzeitig das analytische Denken sowie die Problemlösefähigkeit zu schulen“, so Heinrich. „Leider bleibt im normalen Ausbildungsalltag oft wenig Zeit für vertiefte digitale Inhalte – dieser Kurs schafft dafür den Raum.“


Erfolgsmodell geht in die dritte Runde
Für Bernd Hensle, Leiter Berufsbildung Elektro-, SHK-, Maler- und Friseurgewerke bei der Handwerkskammer Freiburg, ist die Zusatzqualifikation ein voller Erfolg: „Ein großer Dank gilt den Lehrern, die den Kurs mit viel Engagement entwickelt und durchgeführt haben. Auch Schulleiter Sven Steinlein hat die Umsetzung an der Gewerbeschule Breisach maßgeblich unterstützt.“
Ermöglicht wurde das Projekt durch die Beteiligung der Kammer am Förderprogramm „InnoVET-LBT Forward“, das unter der Leitung des Bundesverbands LandBauTechnik von 2020 bis 2024 lief. Bereits jetzt ist klar: Im Schuljahr 2025/2026 geht das Erfolgsmodell in die dritte Runde. „Wir hoffen, dass sich die teilnehmenden Auszubildenden mit ihrem Know-how als angehende Spezialisten für digitale Technologien in der LandBauTechnik etablieren“, sagt Hensle. „Das moderne Handwerk braucht genau solche Fachkräfte.“