Anna Kern-Ohnemus wurde die Leidenschaft zum Handwerk in die Wiege gelegt. Heute ist die 32-Jährige Maurerin und Geschäftsführerin aus Überzeugung. Doch damit allein gibt sie sich nicht zufrieden. Sie möchte das Handwerk über die betrieblichen Pflichten hinaus unterstützen und fand somit den Weg ins Ehrenamt.
„Irgendwie war das Handwerk schon immer da“, blickt die gebürtige Mahlbergerin auf die Anfänge ihrer handwerklichen Passion zurück. Inspiriert von ihren Großeltern und ihrem Vater war für sie früh klar, dass sie einmal etwas Handwerkliches tun möchte. Bereits als Kind baute sie mit ihrem Großvater Flöße und Hütten oder feilte Figuren aus Ytong-Steinen. Nach dem Abitur schlug sie zunächst den akademischen Weg ein und entschied sich für ein duales betriebswirtschaftliches Studium in einer anderen Branche. Doch ihre Macher-Attitüde überwog und so zog es sie nach dem Bachelor zurück ins Handwerk – für Anna Kern-Ohnemus zweifellos die beste Entscheidung. Ihre Ausbildung zur Maurer- und Betonbauerin absolvierte sie schließlich bei einem großen Bauunternehmen in Offenburg.
Beste Jungmeisterin und eine Stimme für Frauen im Handwerk
Mit dem Gesellenbrief in der Tasche steuerte Anna Kern-Ohnemus kurze Zeit später die Meisterschule an. Bei der Meisterprüfung Anfang 2019 überzeugten ihr Wissen und Können derart, dass sie zur besten Jungmeisterin ihres Jahrgangs wurde – und das über sämtliche Gewerke hinweg. Im Sommer 2019 stieg sie als Bauleiterin in den elterlichen Betrieb ein. Anfang 2025 löste sie ihren Vater in der Geschäftsführung ab und leitet das Unternehmen seither gemeinsam mit ihrem Onkel.
Als Handwerkerin und Geschäftsführerin in einem eher männlich dominierten Gewerk beweist sie, dass Handwerk keine Frage des Geschlechts ist. 2024 wirkte sie im Projekt „Starke Handwerkerinnen – Unersetzlich“ der Handwerkskammer Freiburg als Protagonistin mit und macht sich noch heute für Frauen im Handwerk stark.
„Mein Weg ins Ehrenamt war auch familiär bedingt“
Ähnlich wie ihre Leidenschaft zum Handwerk ist ihr Drang, ins Ehrenamt zu gehen, auch durch ihre Familie motiviert. „Schon meine Großeltern und Eltern waren in vielen Vereinen und in der Bauinnung tätig. Ich habe früh gelernt, wie wertvoll ehrenamtlicher Einsatz ist.“ Während ihrer Aus- und Weiterbildungszeit im Handwerk knüpfte sie viele Kontakte zu Ehrenämtlern, die sie bis heute pflegt. Von deren Wirken zusätzlich inspiriert war für Anna Kern-Ohnemus der Weg ins Ehrenamt geebnet. 2020 trat sie in die ehrenamtlichen Fußstapfen ihres Vaters und übernahm dessen Mitgliedschaft in der Bauinnung Lahr-Wolfach, wo sie sich im Bereich Gesellenprüfung engagierte. Ein Jahr später trat sie der Meisterprüfungskommission der Handwerkskammer Freiburg bei und nimmt seither die Meisterprüfungen der Maurer- und Betonbauer ab. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Konzeption der Prüfungsaufgaben sowie der fairen Durchführung der Prüfung und der Korrekturen. Sie erklärt: „Bei der Aufgabenerstellung ist es wichtig, dass die Aufgaben eine Herausforderung für die Prüflinge sind. Der Meistertitel ist ja ein sehr hohes Qualitätssiegel. Da muss ein Qualitätsstandard gehalten werden. Andererseits möchte man auch keine künstlichen Hürden schaffen. Die Prüfung soll die jungen Menschen fordern, aber nicht überfordern.“ Kurz gesagt gehe es in ihrem Ehrenamt viel um den Spagat zwischen Fordern und Fördern.
Neben dem guten Gefühl, junge Menschen auf ihrem Weg im Handwerk zu unterstützen, profitiert Anna Kern-Ohnemus auch fachlich von ihrem Ehrenamt. Durch die jährliche Auseinandersetzung mit den aktuellsten Normen bleibe sie up-to-date, sagt sie. Zudem baue man ein tolles Netzwerk mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern auf, das einem früher oder später nützlich sein könne.
Ehrenamt kein ehrwürdiges Amt
Trotz der eindeutigen Bezeichnung hat das Ehrenamt für Anna Kern-Ohnemus nicht viel mit Ehre zu tun: „Ich tue mich mit dem Ehrbegriff ein wenig schwer in dem Zusammenhang. Ich bin natürlich stolz darauf, für die Handwerkskammer die Meisterprüfungen abzunehmen. Aber dass es ehrwürdig ist oder dass man dafür geehrt werden sollte, finde ich nicht. Es ist sogar eine Selbstverständlichkeit, dass man etwas zurückgibt.“ Für sie habe ehrenamtliches Engagement auch etwas mit Idealismus zu tun und gehöre gerade als Unternehmerin einfach dazu. Jeder Mensch stehe in der Verantwortung, seinen Beitrag zur Bewältigung der großen gesellschaftlichen Aufgaben zu leisten. „Wir alle wissen, dass wir einen großen Fachkräftemangel haben und dass wir die Klimawende voranbringen müssen. Es gibt so viele Baustellen, da kann man sich nicht einfach zurücklehnen und erstmal schauen, was die anderen zustande bringen. Wenn jeder in seinem Bereich mit anpackt, erreichen wir die gemeinsamen Ziele deutlich schneller.“