„Man ist für andere da, fürs Handwerk, für die Gesellschaft“

Von der Werkbank ins Ehrenamt: Schreinermeister Martin Ranz aus Weil am Rhein engagiert sich seit Jahrzehnten für das südbadische Handwerk – als Kreishandwerksmeister, Obermeister, Verbandspräsident und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Freiburg. Für ihn ist das Ehrenamt keine Frage des „Ob“, sondern des „Wie“.

Wenn das Telefon klingelt, kann es alles sein: ein Innungsmitglied mit einer dringenden Frage, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft – oder ein Politiker, der Rücksprache halten möchte. Für Martin Ranz gehört das zum Alltag. Der Schreinermeister aus Weil am Rhein steht fest im Berufsleben, führt einen erfolgreichen Betrieb – und trägt zugleich das südbadische Handwerk auf unzähligen Schultern.

Dass er heute Kreishandwerksmeister, Obermeister, Verbandspräsident und Kammer-Vorstand ist, war nie ein großer Plan. Es war vielmehr ein Weg, der „ganz von allein weiterging“, wie er sagt. Einer, der ihn aus der Werkstatt an die Spitze wichtiger Handwerksgremien geführt hat – und der bis heute geprägt ist von Neugier, Haltung und der tiefen Überzeugung, dass Ehrenamt der Kitt ist, der das Handwerk zusammenhält.

„Man wächst da einfach hinein“
Wenn Martin Ranz über sein Ehrenamt spricht, klingt das nicht nach Pflichterfüllung oder Prestige. Es klingt nach Selbstverständlichkeit. „Man wächst da einfach hinein“, sagt der 63-jährige Schreinermeister und Geschäftsführer von Ranz Raumkonzepte. „Man kennt jemanden, der engagiert ist – und plötzlich ist man selbst mittendrin.“

So begann eine Laufbahn, die längst über das eigene Gewerk hinausreicht: Heute ist Ranz Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Lörrach, Obermeister der Schreiner-Innung, Präsident von Schreiner Baden und Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Freiburg.

Vom Beisitzer zum Präsidenten
Angefangen hat alles mit kleineren Aufgaben: Kassenprüfer, Beisitzer, stellvertretender Obermeister. „Das geht ganz von allein weiter“, sagt Ranz und lacht. „Und plötzlich sitzt man im Vorstand der Kammer.“

Sein Engagement hat ihn früh an die Schnittstellen von Bildung und Berufspolitik geführt – etwa 2006, als er maßgeblich an der Neugestaltung der Berufsbildungsverordnung für das Schreinerhandwerk beteiligt war. „Das Amt des Berufsbildungsvorsitzenden bietet viel Spielraum zum Gestalten. Man kann wirklich etwas bewegen.“

Zwischen Werkstatt, Sitzungen und Familie
Ein typischer Tag im Ehrenamt? „Den gibt es eigentlich nicht“, sagt Ranz. „Aber jeden Morgen steht erstmal ein Telefonat mit dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft an – was steht an, wo drückt der Schuh?“

Oft seien es abendliche Termine, Sitzungen oder Feiern – dazu kommen lange Autofahrten, auch bundesweit. „Das ist organisatorisch manchmal eine Herausforderung, beruflich wie privat. Im Zweifel gilt: Erst der Betrieb, dann das Ehrenamt. Was nützt ein schönes Ehrenamt, wenn man am Ende bankrott ist?“

Dass er das alles unter einen Hut bekommt, sei vor allem eine Frage des Zeitmanagements – und der Unterstützung seiner Familie. „Ich bespreche solche Ämter immer mit meiner Frau und den Kindern. Das funktioniert nur, wenn alle mitziehen.“ Sohn Nico führt heute gemeinsam mit ihm den Betrieb – und engagiert sich ebenfalls ehrenamtlich, unter anderem als Prüfungsvorsitzender. „Das macht mich schon stolz“, sagt Ranz.

„Man kann es nicht allen recht machen“
Als größte Herausforderung im Ehrenamt sieht Ranz die Balance zwischen den vielen Interessen: „Zehn Leute, zehn Meinungen – da muss man seinem Instinkt folgen und tun, was man für richtig hält.“ Mit seiner langjährigen Erfahrung weiß er, dass es vor allem darauf ankommt, Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen. „Der Altersdurchschnitt der Obermeister liegt bei 67 Jahren. Das geht auf Dauer nicht. Wir müssen junge Leute finden – und die Älteren müssen auch loslassen können.“

„Wir sind die Wirtschaftsmacht von mittendrin“
Warum er sich dennoch immer wieder engagiert? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Weil es nicht für einen selbst ist. Man ist für andere da, fürs Handwerk, für die Gesellschaft.“ Besondere Momente erlebt er bei den Freisprechungsfeiern der Gesellen und bei den Altmeisterehrungen. „Wenn man die Freude in den Gesichtern sieht – das ist unbezahlbar.“

Und er merkt, dass sein Einsatz Wirkung zeigt: etwa bei Projekten wie der Ausbildungsbörse „Die Handwerk“ oder beim Tag des Handwerks in Lörrach. „Wir sind keine ‚Wirtschaftsmacht von nebenan‘ – bezogen auf den bundesweiten Slogan –, sondern von mittendrin. Wir gestalten unsere Region aktiv mit.“

Blick nach vorn
Trotz seines immensen Engagements denkt Ranz längst an die Zukunft des Ehrenamts. „Wenn wir den Status quo halten können, wäre schon viel gewonnen“, sagt er realistisch. Nachwuchs zu gewinnen bleibe eine Daueraufgabe – im Handwerk wie in Vereinen oder der Feuerwehr. Wichtig sei, den Einstieg gut zu begleiten: „Wie bei allem – erstmal reinschnuppern, sich führen lassen, gute Übergabe. Nur wenn jemand das Amt gern macht, kann es funktionieren.“

Dass er irgendwann selbst den Staffelstab weitergeben wird, ist für ihn klar. Und wie wählt man den oder die Richtige? Da schmunzelt Ranz: „Wir stellen einen Stein auf, wie in der Artus-Sage – und wer würdig ist, zieht das Schwert raus.“