Tradition mit frischem Wind: Bernhard Fabian Paul verbindet Handwerk und Ehrenamt

Bernhard Fabian Paul, 36 Jahre, Meister und künftiger Inhaber der Bäckerei Paul in Lörrach, engagiert sich leidenschaftlich ehrenamtlich – als Obermeister der Bäcker-Innung, in Ausschüssen auf Landes- und Bundesebene und in der Nachwuchsförderung. Für ihn gehören Handwerk und Ehrenamt untrennbar zusammen.

Wenn in Lörrach frühmorgens die Backstube der Bäckerei Paul erwacht, hat Bernhard Fabian Paul längst Teig geprüft, Temperaturen kontrolliert – und oft schon die nächste Sitzung im Kopf. Während andere gerade den ersten Kaffee trinken, jongliert der 36-jährige Meister bereits zwischen Tradition, Familienbetrieb und Ehrenamt. „Ohne junge Leute vorne dran wird es schwierig“, sagt er und wischt sich Mehlreste von der Schürze. Dass er einmal Obermeister werden würde, war für ihn selbst zunächst kaum vorstellbar. Heute steht er an der Spitze der Bäcker-Innung Lörrach-Müllheim, vertritt seine Branche im Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer Freiburg und arbeitet in gleich zwei Ausschüssen des Bundesverbandes mit.

Den Weg dorthin ebnete eine Mischung aus Neugier, Verantwortung und der Ermutigung seines Vorgängers Fritz Trefzger. „Er hat nach jungen Leuten gesucht, die Lust haben, sich einzubringen.“ Und Paul hatte sie – auch, weil seine Familie voll hinter ihm steht: „Ohne meine Frau und die drei Kinder zu Hause sowie meinen Bruder und meine Eltern im Betrieb wäre das alles nicht möglich.“ Heute ist das Ehrenamt für ihn eine Bühne, auf der er zeigen kann, wie modern, lebendig und zukunftsorientiert das Bäckerhandwerk ist.

Zwischen Backstube und Ausschussraum
Ein typischer Tag von Paul ist ein Balanceakt zwischen Backstube und Vorstandssitzung. „Meistens bin ich vorher noch am Arbeiten. Anfangs ist das eine Belastung, aber am Ende macht es Spaß“, erzählt er. Ob Ausbildungsbörse oder Innungsversammlung – der Bäckermeister verbindet Improvisationstalent mit Organisationstalent. „Als Bäcker ist man oft alleine in der Backstube. Im Ehrenamt ist man kommunikativ unterwegs, knüpft Netzwerke, spricht mit Kollegen, Schulen und Politikern. Beide Tätigkeiten verlangen Geduld und Kreativität.“

Die größte Herausforderung ist, Mitstreiter zu motivieren. „Alles allein schafft man nicht. Man braucht ein Team, das den Weg mitgeht.“ Doch der Einsatz zahlt sich aus: Die Innung verjüngt sich, junge Menschen erhalten niedrigschwelligen Zugang zum Handwerk, und Vorurteile – etwa über fehlendes Privatleben durch Nachtschichten oder schwere Arbeit – lassen sich abbauen.

Ehrenamt als Berufung

Für Paul ist das Ehrenamt mehr als ein zusätzliches Engagement. „Es bedeutet, meine Ideen einzubringen, das Handwerk attraktiv zu gestalten und den Nachwuchs zu fördern.“ Besonders nachhaltig sei der Moment, wenn junge Menschen nach einer Ausbildungsbörse in die Betriebe gehen.

Natürlich gibt es auch Belastungen: lange Fahrten, wenig Schlaf und ständiger Termindruck. „Aber am Ende nimmt man immer etwas mit. Man geht nie dümmer nach Hause, als man gekommen ist.“ Sein Rat an alle, die überlegen, sich zu engagieren: „Machen! Der erste Schritt ist die Innungsmitgliedschaft, danach entwickelt sich vieles automatisch.“

Zukunft gestalten, Werte weitergeben
Gemeinschaft und Verantwortung sind für Paul zentrale Werte des Handwerks. Ehrenamt und Nachwuchsarbeit gehören für ihn zusammen: Ohne das Engagement der Innungen und Ausschüsse müsste vieles staatlich organisiert werden – mit enormen Kosten. „Die Prüfungen, die Überbetriebliche Ausbildung (ÜBA), die Auszubildenden – das alles funktioniert nur gemeinschaftlich.“

Paul wünscht sich, dass das Ehrenamt noch sichtbarer wird, etwa durch Veranstaltungen wie das Ehrenamtsfest der Handwerkskammer Freiburg. Gleichzeitig will er Digitalisierung vorantreiben, Bürokratie abbauen und Netzwerke stärken. Sein Ziel: ein modernes Ehrenamt, das junge Menschen begeistert, unterstützt und langfristig das Handwerk sichert.

Tradition und Innovation
Bernhard Fabian Paul verbindet Tradition und Innovation – als Konditormeister ebenso wie als ehrenamtlicher Gestalter der Handwerksgemeinschaft. Er zeigt, dass das Engagement junger Handwerker entscheidend ist, um die Zukunft des Handwerks zu sichern. Wer Verantwortung übernimmt, prägt nicht nur seinen Beruf, sondern die gesamte Branche.