Fleischermeister Sebastian Winterhalter aus Elzach zeigt mit Leidenschaft ehrenamtlichen Einsatz im südbadischen Handwerk. Im Handwerk lernt man schnell, Verantwortung zu übernehmen und zuverlässig zu sein.“ Sebastian Winterhalter weiß, wovon er spricht. Der 33-jährige Fleischermeister führt gemeinsam mit seinem Vater die 1856 gegründete Elzacher Traditionsmetzgerei „Gustav Winterhalter“ in 10. Generation. Täglich sorgt er dafür, dass der Laden mit insgesamt 180 Beschäftigten und 11 Filialen läuft. „Man muss Verantwortungsbewusstsein haben“, sagt er. „Sonst geht es nicht.“
Dieses Verantwortungsbewusstsein bezieht der Elzacher nicht nur auf den Betrieb, sondern auch auf sein ehrenamtliches Engagement. Er ist Vollversammlungsmitglied der Handwerkskammer Freiburg und stellvertretendes Mitglied des Berufsbildungsausschusses der Kammer. Zudem hat er das Amt des Kassenprüfers der Kreishandwerkerschaft Emmendingen inne. Neben einem 7-Tage-Job ein ordentliches Zusatzpaket, das er gerne absolviert.
„Es entscheiden Leute, die wissen wie der Alltag läuft“
„Ich wurde immer aus meinem Netzwerk heraus gefragt, ob ich es machen würde“, berichtet Winterhalter, wie er zu den Ämtern kam. Nachgedacht habe er immer kurz, sich aber meist schnell entschieden, anzunehmen. „Ich dachte mir: Da kann man was bewegen, also mach ich das!“ Irgendwann kam aber natürlich auch die Frage dazu, ob es überhaupt noch in den Alltag passt. „Das geht nur durch den Rückhalt in der Familie und durch die Mitarbeiter“, hebt Winterhalter hervor. „Und mit guter Kalenderführung“, schmunzelt er. Aber: „Wenn man sich dazu entschieden hat, wenn man es gern macht, findet man immer Zeit.“
„Man spricht für das Handwerk, nicht für sich“
Der Fleischermeister hat sich sehr bewusst für die Arbeit im handwerklichen Ehrenamt entschieden. „Ich habe während meiner Zeit vom Azubi bis in die Geschäftsführung des Familienunternehmens viele engagierte Ehrenamtsträger gehabt, die mich unterstützt haben“, sagt er. „Darum möchte ich auch anderen zurückgeben, was ich erfahren durfte.“ Zudem will er das Handwerk voranbringen. „Ich habe den Ansporn, den Betrieb voranzubringen und weiterzuentwickeln. Das gilt auch für das Handwerk als Ganzes.“
In seinen Augen sind Ehrenamt und Selbstverwaltung im Handwerk enorm wichtig. „Sie lassen das Handwerk ein bisschen atmen. Dank des Ehrenamts entscheiden im Handwerk Menschen, die wissen wie der Alltag läuft.“ Besonders wichtig ist in Winterhalters Augen das ehrenamtliche Netzwerk. „Im Handwerk ist man eng vernetzt, auch gerade durch die ehrenamtlichen Ämter“, führt er aus. „Wenn ich selbst als Azubi eine Frage habe, kann ich durch die Durchlässigkeit der Gremien eventuell sogar vom Präsidenten der Handwerkskammer eine Antwort bekommen. Dieses Netzwerk hat im Handwerk einfach eine menschliche Ebene.“ Seine Erfahrung: Im Ehrenamt sei man vor allem auch Auskunftgeber. „Man nutzt sein Netzwerk. Und diese Arbeit nimmt man oft gar nicht als Ehrenamt wahr.“ Im Handwerk sind alle bodenständig. „Klar kann man sich auch die Meinung sagen, aber im Endeffekt geht es um die Sache.“ Davon Teil zu sein, macht den Elzacher stolz. „Und ich habe die Erfahrung gemacht: Auch die Mitarbeiter sind stolz, wenn ihre Führungskraft ein Ehrenamt hat.“
Als Vollversammlungsmitglied der Handwerkskammer Freiburg stellt Winterhalter die großen Weichen für das südbadische Handwerk. „Man entscheidet über aktuelle Themen und trägt wichtige Entscheidungen der Kammer mit.“ Nicht nur die Sitzungen des Handwerkerparlaments selbst zählen dabei zu seiner ehrenamtlichen Arbeit, auch die Vorbereitung und Nachbereitung können aufwändig sein – gerade bei umfangreicheren Themen. „Ich stimme nur ab, wenn ich weiß, um was es geht“, sagt der 33-Jährige. „Ich lese mich vorher ein, frage bei Bedarf nach.“ Für ihn ist klar: „Man spricht für das Handwerk, nicht für sich.“ Zudem steht auch hier der Austausch auf dem Programm. „Man trifft andere Handwerker und kann sich über aktuelle Themen austauschen, die alle betreffen.“ Nicht ganz einfach waren für ihn die Ergebnisse der Arbeit, die manchmal auf sich warten lassen. „Dass man etwas bewirkt, sieht man nicht immer gleich. Das ist für einen Handwerker nicht immer leicht“, lacht er.
Nachwuchs im Ehrenamt wird benötigt
Gerade in der Vollversammlung wird in den kommenden Jahren auch Nachwuchs im Ehrenamt benötigt. Winterhalter ist unter den jüngsten Vollversammlungsmitgliedern. „Einige junge Handwerker sind schon im Gremium, das macht es dann für andere Junge einfacher“, schätzt er die Lage ein. Für Handwerkerinnen und Handwerker, die überlegen ein Ehrenamt zu übernehmen, hat Winterhalter einen Tipp: „Einfach machen, aus den Erfahrungen lernen. Erst dann merkt man, ob das Thema etwas für einen ist.“ Er selbst möchte die Ämter nicht missen. „Man kann auf einer anderen Ebene etwas bewegen.“ Und: „Wenn ich der Gemeinschaft helfe, helfe ich mir selbst.“
„Wenn ich der Gesellschaft helfe, helfe ich mir selbst“
25. November 2025