Wenn Christiane Hollnberger von ihrem Beruf spricht, spürt man sofort, dass hier jemand mit Leidenschaft bei der Sache ist. Schon als Grundschulkind zog es sie in die Werkstatt ihres Vaters. „Ich habe früh mitgeholfen, Fenster gestrichen oder beim Ausmessen assistiert. Ich wollte einfach hinein in den Beruf“, erinnert sie sich. Der Entschluss stand fest: lieber Werkbank statt Schulbank. Sie brach das Gymnasium ab, machte eine Lehre zur Glaserin – und wurde Zweite im Bundesleistungswettbewerb. Die Meisterprüfung folgte, „als einziges Mädchen unter 42 Jungs“.
Heute leitet die 60-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Bernd, Sohn Johannes und Tochter Susanne den Familienbetrieb in vierter und fünfter Generation. Ihr Urgroßvater legte 1906 den Grundstein, heute zählt die Hollnberger Fensterbau GmbH 13 Mitarbeitende, darunter Tochter Susanne, Sohn Johannes, Neffe und Schwester.
Eine Frau an der Spitze – und mitten im Ehrenamt
Schon früh übernahm sie Verantwortung – nicht nur im Betrieb. „Ich war schon immer jemand, der gerne Verantwortung übernimmt“, erzählt sie. Dass sie einmal Obermeisterin wird, war trotzdem nicht geplant: „Ich war einfach immer dabei – mit meinem Vater auf Versammlungen, in der Innung. Und irgendwann hieß es: „Es wäre doch schön, wenn mal eine Frau an der Spitze steht.“
Was zunächst mit etwas Unsicherheit begann, ist längst zu einer Herzensaufgabe geworden. Seit rund 25 Jahren engagiert sich Christiane Hollnberger in den Gremien des Handwerks, seit 2007 als Obermeisterin der Glaser-Innung Ortenau, außerdem als stellvertretende Kreishandwerksmeisterin und Vollversammlungsmitglied der Handwerkskammer Freiburg.
Ihr Alltag als Ehrenamtliche ist vielfältig: Lehrlingswettbewerbe, Gutachten, Gespräche mit Betrieben, Sitzungen, Reden, Abstimmungen. „Man ist Vermittlerin, Ansprechpartnerin, manchmal auch Seelsorgerin“, sagt sie. „Das läuft natürlich neben dem Beruf – aber ich sehe das nicht als Belastung, sondern als Hobby. Andere gehen in den Musikverein, ich engagiere mich im Handwerk.“
Für Ausbildung und Frauen im Handwerk
Zwei Themen treiben Christiane Hollnberger besonders um: die Ausbildung junger Menschen und die Förderung von Frauen im Handwerk. „Wir müssen es schaffen, mehr junge Leute für unsere Berufe zu begeistern – und ihnen eine Chance geben, auch wenn der Start nicht immer leicht ist“, betont sie. Dafür setzt sie sich auf vielen Ebenen ein, etwa mit Ausbildungsinitiativen und Social-Media-Projekten der Innung. Besonders stolz ist sie auf die Treffen mit jungen Betriebsnachfolgerinnen und -nachfolgern: „Die sprühen vor Ideen, brechen alte Strukturen auf und bringen frischen Wind. Das zu sehen, ist einfach schön.“
Auch für Frauen will sie Türen öffnen: „Das Handwerk ist nach wie vor männerdominiert. Ich möchte Mut machen und zeigen: Das geht, das kann ich – und das könnt ihr auch.“
Handwerk mit Haltung
Wer Christiane Hollnberger erlebt, spürt: Sie steht für das, was sie sagt. „Ich finde, jeder sollte einen Teil dazu beitragen, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Das geht nur, wenn man sich engagiert – nicht, wenn jeder nur an sich denkt.“ Diese Haltung prägt auch ihren Betrieb. Nachhaltigkeit, Ausbildung, Teamgeist – all das wird bei Hollnberger Fensterbau großgeschrieben. 2022 wurde das Unternehmen zum Handwerksunternehmen des Jahres in der Ortenau gekürt.
„Reparieren statt wegwerfen“ lautet die Devise. Prozesse werden digitalisiert, Ressourcen geschont. „Am Abend zu sehen, was man geschafft hat – das ist das Schöne am Handwerk“, sagt sie. Angst vor großen Themen hat sie keine mehr. „Am Anfang hatte ich Respekt vor der Politik. Heute weiß ich: Das sind ganz normale Menschen – je sachlicher man miteinander redet, desto besser klappt’s“, sagt sie und lacht.
Ehrenamt hält Handwerkerfamilie zusammen
Was sie antreibt, ist die Freude an der Gemeinschaft: „Das Ehrenamt hält die Handwerkerfamilie zusammen. Man trifft sich, tauscht sich aus, unterstützt sich gegenseitig – das ist unbezahlbar.“ Und was sie sich wünscht? „Mehr Wertschätzung für das Ehrenamt – und dass junge Menschen den Mut fassen, sich einzubringen. Man kann nichts verlieren, sondern nur gewinnen.“
Christiane Hollnberger zeigt, wie vielseitig Engagement im Handwerk sein kann – und dass es sich lohnt, Verantwortung zu übernehmen. Sie ist Chefin, Glasermeisterin, Netzwerkerin, Vorbild – und vor allem: eine Frau, die das Handwerk lebt. „Ich möchte, dass die Leute sehen, wie wichtig das Ehrenamt ist. Ohne Engagement funktioniert keine Gesellschaft – und kein Handwerk.“
Info:
Am 13. Dezember würdigt die Handwerkskammer Freiburg beim großen Ehrenamtsfest alle engagierten Handwerkerinnen und Handwerker aus Südbaden. Christiane Hollnberger ist eine von vielen, die mit Leidenschaft, Herzblut und Haltung zeigen, was das Handwerk stark macht.
Falls auch Sie ein Ehrenamt übernehmen möchten, wenden Sie sich an ehrenamt@hwk-freiburg.de