Handwerkskonjunktur stagniert auf niedrigem Niveau

Das südbadische Handwerk erlebt das dritte Quartal in Folge eine Stagnation auf niedrigem Niveau. Das geht aus der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Freiburg für das dritte Quartal 2026 hervor. Von den überraschend positiven Entwicklungen der Gesamtwirtschaft in den letzten Wochen – ursächlich sind steigende Exporte sowie staatliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung – kann das Handwerk noch nicht profitieren. „Im Handwerk ist von einer Belebung bislang wenig zu spüren“, so Christof Burger, Präsident der Handwerkskammer Freiburg. „Von der bisherigen Reformarbeit der Bundesregierung kommt bei vielen Handwerksbetrieben vor Ort bislang kaum etwas an.“

Weniger als die Hälfte der Betriebe (46 Prozent) im Kammerbezirk Freiburg bezeichnet ihre aktuelle Lage als „gut“ (Vorjahr: 71 Prozent), während 15 Prozent von einer „schlechten“ Geschäftslage berichten (Vorjahr: 10 Prozent). Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer Freiburg, der Geschäftslage und -erwartungen abbildet, sinkt damit um über 20 Punkte auf 12,7 Punkte (Vorjahr: 34,1 Punkte). Im Vergleich zu den Werten für das Handwerk in ganz Baden-Württemberg (5,9 Punkte) weist der Kammerbezirk Freiburg trotz ähnlicher Einbußen weiterhin eine deutlich bessere Lagebeurteilung auf.

Die Auftragslage hat sich gegenüber dem Vorjahr trotzdem deutlich verschlechtert: Nur 13 Prozent berichten von gestiegenen Aufträgen, 38 Prozent von gesunkenen Auftragseingängen (Vorjahr: 24 Prozent). Somit liegt der Auftragssaldo mit -25 Punkten tief im Minus. Die Umsatzentwicklung bietet ein ähnliches Bild: Gestiegene Umsätze konnten 15 Prozent der Betriebe vermelden (Vorjahr: 25 Prozent), ein Umsatzminus verzeichneten 39 Prozent (Vorjahr: 19 Prozent).

Die Preissteigerungen durch den Iran-Krieg, aber auch durch Logistikprobleme aufgrund von Niedrigwasser sorgten für weiteren Druck auf Material- und Investitionskosten für das Handwerk. 81 Prozent der südbadischen Betriebe berichteten von gestiegenen Einkaufspreisen – nur 29 Prozent konnten zeitgleich ihre Verkaufspreise erhöhen. Aber nicht nur die direkten Preissteigerungen treffen das Handwerk. Auch die steigenden Kosten für Kraftstoffe sowie für Heizöl und Gas wirken sich auf die Betriebe aus. „Die Erhöhungen belasten die privaten Haushalte, deren Anschaffungsneigung seit Jahren auf sehr niedrigem Niveau verharrt“, so Burger. „Wenn Verbraucher an der Tankstelle deutlich mehr Geld ausgeben müssen, kann das dazu führen, dass etwa ein Friseurtermin abgesagt wird.“ 

Die drängenden Probleme der südbadischen Handwerker blieben damit die gleichen wie schon im zweiten Quartal: niedrige Kapazitätsauslastungen, fehlende Aufträge, anhaltender Margendruck, Bürokratie. „Der Ausblick auf das vierte Quartal bleibt vor diesem Hintergrund skeptisch.“ Die Geschäftslageerwartungen für das kommende Quartal fallen deutlich zurückhaltender aus als im Vorjahresquartal: 19 Prozent (Vorjahr: 23 Prozent) erwarten eine Verbesserung, 24 Prozent eine Verschlechterung (Vorjahr: 13 Prozent).

Auch die Auftragserwartungen liegen deutlich unter den Werten des Vorjahresquartals. Der Anteil der Betriebe, die mit einem Auftragsplus rechnen, hat sich nahezu halbiert (von 30 Prozent vor einem Jahr auf aktuell 16 Prozent). Im Gegenzug hat sich der Anteil der Unternehmen, die mit einer geringeren Nachfrage rechnen, von 10 Prozent auf 30 Prozent verdreifacht. Die Umsatzerwartungen sind ebenfalls deutlich negativer als noch vor einem Jahr: 21 Prozent der Betriebe gehen von steigenden Umsätzen aus. Die Zahl der Handwerksunternehmen, die von sinkenden Umsätzen ausgehen, hat sich ebenfalls auf 29 Prozent verdreifacht. Positive Erwartungen melden lediglich das Nahrungsmittelgewerbe und die Gesundheitshandwerke.

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+++ Bild: Die Luft wird dünner: Die Konjunkturdaten des südbadischen Handwerks stagnieren weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Von einer Belebung ist im Handwerk bisher wenig zu spüren. Foto: amh-online.de +++

Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Freiburg

Vierteljährlich werden Handwerksbetriebe aus den acht baden-württembergischen Handwerkskammern Freiburg, Heilbronn-Franken, Karlsruhe, Konstanz, Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Region Stuttgart, Reutlingen und Ulm zur wirtschaftlichen Lage befragt. Die Erhebung erfolgt im Regelfall in den letzten beiden Wochen eines Quartals. Seit Anfang 2026 werden die Erhebungen als Online-Befragungen durchgeführt. Zuvor erfolgte die Umfrage telefonisch. Die aktuelle Umfrage fand vom 7. bis zum 18. September 2026 statt.

Handwerkskammer Freiburg

Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.

Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Be­ra­tungs- und Bil­dungs­zent­ren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.

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